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  • H. Hoffmeister 2017-11
  • Lukas Schöppner, Daniel Voht 2017-10

 

Übersicht über das vegetative Nervensystem

Das vegetative Nervensystem ist neben dem bekannteren peripheren Nervensystem ein wesentlicher Bestandteil des Nervensystems aller Säugetiere und vieler Wirbeltiere.

Das vegetative Nervensystem ist für die inneren Funktionen unseres Körpers zuständig. Dazu gehören innere Reize wie Stimmungen und Hunger, besonders aber die Kontrolle von Aktivitätszuständen innerer Organe. Dabei sind die Vorgänge des vegetativen Nervensystems oft für den Körper unbewusst.

Die Aktivitätszustände des vegetativen Nervensystems werden durch zwei Hauptnerven den Sympathicus und (seinen Gegenspieler) den Parasympathicus geregelt. Diese beiden sind sozusagen die beiden Teilbereiche des vegetativen Nervensystems. Beide Systeme wechseln sich in schwacher Form im Tagesverlauf ab. Morgens ist meist der Sympathicus aktiv, Im Mittagstief dann zum Teil der Parasympathicus und dann am Nachmittag, nach der Mittagspause wieder der Sympathicus. Abends und Nachts ist zur Regeneration des Körper wieder der Parasympathicus aktiv.

Definition: Das vegetative Nervensystem, auch autonomes Nervensystem genannt, bildet zusammen mit dem somatischen Nervensystem (dem cerebrospinale oder auch willkürliche Nervensystem) das zentrale Nervensystem.


Die Autonomie bezieht sich darauf, dass über das vegetative Nervensystem die biologisch automatischen innerkörperliche Vorgänge reguliert und angepasst werden, diese aber vom Menschen nicht willentlich bzw. nur indirekt beeinflussbar sind.
Zum Beispiel ist es uns Menschen nicht möglich die Verdauung zu stoppen oder die Harnblase zu entleeren, wenn sich ca. 300 bis 500 Milliliter Urin in ihr aufgestaut haben.

 

Man untergliedert das vegetative Nervensystem in:
1. Sympathisches Nervensystem
2. Parasympathisches Nervensystem
3. Enterisches Nervensystem (ENS)

 

Neuronaler Aufbau des vegetativen Nervensystems

 

Quelle Bild: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International by Wikicommonsuser "Geo-Science-International" Thank you; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Das_vegetative_Nervensystem.jpg

 

Aufgaben des vegetativen Nervensystems:

Über das vegetative Nervensystem werden die lebenswichtigen Funktionen zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel kontrolliert und gesteuert. Auch andere Organe werden vom VNS innerviert, wie die Sexualorgane, Schweißdrüsen (Exokrine Drüsen), Hormone (Endokrine Drüsen), das Blutgefäßsystem und sogar die innere Augenmuskulatur.

 

1. Sympathisches Nervensystem - der Sympathicus

Der Sympathicus ist der Leistungsnerv. Durch den Neurotransmitter Adrenalin regt er bei Anspannung, Tests und Klausuren, Stress sowie Angst und Gefahr alle Organe an, welche eine solche Anspannungssituation durch Flucht oder Kampf ändern könnten. Dazu gehören:

Zunahme von Herzschlag, Blutdruck, Atmung, Muskelanspannung, Schweißbildung (zur Kühlung der Muskeln) sowie der Freisetzung von Blutzucker. Nicht benötigte Körperfunktionen werden abgestellt: Abnahme von Verdauung, Konzentration, kreativem Denken usw.

Der Sympathicus ist besonders morgens und in Leistungssituationen aktiv. Somit ist der Sympathicus der Anspannungsnerv.

 

Aufbau und Anatomie des sympathisches Nervensystems im Detail:

Das Zielgewebe des Sympathicus ist vor allem die glatte Muskulatur der Blutgefäße und Drüsen. Hier wirken die Neurotransmitter des Sympathicus, wie Adrenalin. Der Sympathicus steuert auch lebenswichtige Vorgänge; die Regulation erfolgt ohne bewusste Wahrnehmung. Er wird auch als thorakolumbalen System bezeichnet, da sich dessen Wurzelzellen im Brust- (lat. Thorax) und Lendenteil (lat. Lumbus) des Rückenmarks befinden.


Die ersten Nervenzellen des Sympathicus befinden sich im Brust (Pars thoracica) - und Lendenwirbelbereich (Pars lumbalis). Wesentliche Zentren sind Hypothalamus, Hirnstamm und Formatio reticularis (Retikulärformation), welche Impulse auf das Wurzelzentrum im Rückenmark senden.
Diese Wurzelzellen liegen im Seitenhorn des Rückenmarks und bilden den Nucleus intermediolateralis. Sie senden ihre Fasern zu Nervenansammlungen neben der Wirbelsäure an, welche den Paravertebralganglien (paravertebral = in der Umgebung eines Wirbels) bilden. In ihrer Einheit bilden sie den sympathischen Grenzstrang (Truncus sympathicus).

Sympathischer Grenzstrang: Eine Kette, welche aus verbundenen Ganglien an den Wirbelkörpern des Rumpfes besteht.

Beim Menschen existieren drei Halsganglien: das obere (Ganglion cervicale superius), das mittlere (Ganglion cervicale medium) und das untere Halsganglion (Ganglion cervicale inferius), wobei das mittlere inkonstant ist.
In den paravertebralen Ganglien werden die meisten Fasern auf eine zweite Nervenzelle umgeschaltet. Dieser Neurotransmitter, der dabei verwendet wird, ist das Acetylcholin. Die zweite Nervenzelle innerviert das Zielorgan mithilfe des Neurotransmitter Noradrenalin. Eine Ausnahme macht die Übertragung der Impulse an die Schweißdrüsen und an das Nebennierenmark. Der Neurotransmitter dafür ist das Acetylcholin.

 

Alles in allem bewirkt der Sympathicus eine Leistungssteigerung des Organismus. Dies wird auch als Ergotropie bezeichnet. Durch ihn wird der Körper einerseits in eine hohe Leistungsbereitsschaft versetzt als auch die „Fight-or-flight“-Reaktion gestärkt, in der der Körper sich physisch und psychisch an die Gefahrensituationen anpasst (dies kann auch zu Stressreaktionen.


Der Sympathicus hemmt dafür für das Handeln erforderliche Vorgänge wie z.B. die Darmtätigkeit. Außerdem hat er Einfluss auf:
• Die Lungenfunktion (Erweiterung der Bronchien)
• Die Blasenfunktion (bewirkt die Kontinenz, den Stuhlgang zurückzuhalten)
• Die Geschlechtsfunktion (sorgt für den Orgasmus bei Frauen und für die Ejakulation bei Männern)
• etc.

2. Parasympathisches Nervensystem - der Parasympathicus

Der Parasympathicus aktiviert die gleichen Organe aber genau entgegengesetzt. Herzschlag, Blutdruck, Atmung werden verlangsamt, die Muskeln werden entspannt. Der Parasympathicus ist besonders in Ruhephasen, bei Entspannung, im Schlaf oder auch am Abend aktiv. Somit ist der Parasympathicus der Entspannungsnerv.
Der Neurotransmitter des Parasympathicus ist Acetylcholin.

 

Aufbau des parasympathisches Nervensystems:

Die Zentren des Parasympathicus befinden sich im Hirnstamm und im Kreuzmark. Aus dem Hirnstamm innervieren Nerven in die inneren Augenmuskeln, Speichel - und Tränendrüsen sowie auch die meisten inneren Organe des Körpers. Aufgrund der anatomischen Lage der Nervenwurzeln wird der Parasympathicus auch als kraniosakrales System bezeichnet (von lat. Cranium = Schädel, Os sacrum = Kreuzbein). Der Parasympathicus auch als „Ruhenerv“ bezeichnet, da er der Regeneration des Organismus und zum Aufbau der Energiereserven dient. Dies wird als Trophotropie bezeichnet.

Die Ganglien des Parasympathicus befinden sich in der Nähe bzw. innerhalb der Zielorgane. Der Neurotransmitter des Parasympathicus ist das Acetylcholin.
Das parasympathische Nervensystem verfügt über zwei Acetylcholinrezeptoren:
• Nikotinische Rezeptoren (nAChR, Nikotinrezeptoren, n-Cholinrezeptoren)
• Muskarinische Rezeptoren (mAChR, Muskarinrezeptoren, m-Cholinrezeptoren)

Nikotische Rezeptoren:

Diese Rezeptoren reagieren nicht nur auf Acetylcholin, sondern auch auf Nikotin. Die NN-Rezeptoren, welche sich in den Ganglien befinden, werden durch Hexamethonium gehemmt, einer Ammoniumverbindung. Die Rezeptoren der motorischen Endplatte, die NM-Rezeptoren, werden durch das Nervengift Tubocurarin gehemmt.
Muskarinische Rezeptoren:
Diese Rezeptoren reagieren außer auf Acetylcholin auch auf Muskarin, ein Gift, das in größeren Mengen in Trichterlingen und Risspilzen vorkommt.



Wichtig für parasympathische Innervation ist der 10. Hirnnerv, der sogenannte Nervus vagus. Die von ihm betroffenen Organe sind:
• Herz (Verlangsamung des Pulses)
• Bronchien ( Verengung der Bronchien und erhöhte Schleimsekretion)
• Leber (Glykogenbildung)
• Gallenblase (Abgabe von Galle durch Kontraktion der glatten Muskulatur der Organwand)
• Bauchspeicheldrüse (Sekretion der eiweißspaltenden Verdauungsenzyme wie z.B. Trypsin)
• Harnleiter (glatte Muskulatur im Harnleiter kontrahiert)


Beeinflussung des Parasympathicus:

Man kann die Wirkung des Parasympathicus mithilfe von Medikamenten beeinflussen. Einerseits existiert ein Wirkstoff, welcher den Parasympathicus hemmt wie z.B. Atropin. Diese Medikamente bezeichnet man Parasympatholytika. Anwendung findet man bei der Pupillenerweiterung bei therapeutischen Maßnahmen.
Die Wirkstoffe, die die Wirkung den Parasympathicus anregen, nennt man Parasympathomimetika. Man unterscheidet bei ihnen direkte und indirekte Wirkstoffe. Die direkten Wirkstoffe wirken ähnlich wie das Acetylcholin. Die indirekten Wirkstoffe hemmen den Aufbau des Acetylcholin durch die Cholinesterase, welche eine längere Transmitterwirkung bedingt. Eine Anwendung findet man bei der Behandlung des Grünen Star.

 

Arbeitsteilung des Sympathicus und Parasympathicus

Der Sympathicus und Parasympathicus arbeiten teils agonistisch (miteinander) und teils antargonistisch (gegeneinander). Sie arbeiten in gegenseitiger Ergänzung zueinander, da der Sympathicus ergotrope Signale und der Parasympathicus trophotrope Signale auslöst.

VNS

 

Quelle Bild: Public domain by Henry Grey & Uwe Gille; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gray839-d.png


 

3. Enterisches Nervensystem (ENS)

Das Enterische Nervensystem besteht aus einem komplexen Geflecht von Neuronen, deren Anzahl das vier- bis fünffache der Nervenzellen des Rückenmarks entspricht, welches in der Darmwand eingebettet ist.


Die Hauptkomponenten des ENS bestehen aus zwei Nervengeflechte:
• den Plexus myentericus ("Auerbach-Plexus") zwischen Ring- und Längsmuskelschicht
• den Plexus submucosus ("Meissner-Plexus") in der Submukosa

Es ist in der Lage, selbstständig zu arbeiten, benötigt aber die Einflüsse des Sympathicus und Parasympathicus, um mit dem Gesamtorganismus zu harmonisieren.

Das ENS hat Einfluss auf den Verdauungsprozess. Es reguliert:
• die Darmmotilität (Muskeltätigkeit im Darm)
• den mit Sekretion (Abgabe) und Absorption (Aufnahme) verbundenen Ionentransport
• den gastrointestinalen Blutfluss ( Blutung, welche den Ursprung im Verdauungstrakt hat)
• die immunologischen Funktionen des Gastrointestinaltraktes (Abwehrfunktionen des Magen- Darm-Trakts)

 

Stress - wenn das vegetative Nervensystem zum Feind wird

Auch in Stresssituationen schüttet der Körper Adrenalin aus. Damit gleichen Stresssituationen biologisch Gefahrensituationen. Doch während normale Gefahrensituationen schnell vorbei sind, kann Stress über Tage oder Wochen wirken. Die langfristige Aktivierung des Sympathicus kann stressbedingte Krankheiten auslösen, welche nach langer zeit sogar tödlich enden können. Zu den Spätfolgen gehören Schlaganfälle, Krebs und Hirnschläge.

 

Beeinflussung des vegetativen Nervensystems:

Es ist nicht möglich, dass vegetative Nervensystem stark zu beeinflussen. Es existieren aber Methoden, das vegetative Nervensystem teilweise zu beeinflussen. Einerseits kann man das vegetative Nervensystem mit sich aktivem beruhigen bzw. selbst zureden, Vorstellungen, körperlicher Aktivitäten, unter anderem Yoga, Meditation, etc. entspannen bzw. entlasten. Andererseits gibt es Methoden, wie hypnotische und mentale Techniken, welche nicht in das bewusste Leben eingreifen.

 

Weitere Infos zum vegetativen Nervensystem gibt es auf der Schwesterseite https://hoffmeister.it.

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