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Name: Viona & Meral, 2016-06

 

1. Einleitung

1.1 Definition

Wüste, Substantiv [die]
1. ein großes Gebiet, in dem es (fast) kein Wasser gibt, wo (fast) keine Pflanzen wachsen und es sehr heiß ist.
"die Wüste Gobi/Sahara"
2. ein Landstrich, der ohne Vegetation, unbebaut und öde ist.

So definiert man im Allgemeinen den Begriff Wüste, doch was genau steht hinter dieser Definition? Woran denkt man, wenn man das Wort Wüste hört? Meist kommt einem folgendes Bild als erstes in den Sinn: Eine schier endlos scheinende Einöde aus ockerfarbenem Sand, hohen Dünen und vertrockneten Sträuchern. Eine Karawane auf der verzweifelten Suche nach der nächsten Oase vielleicht? Hinzu kommt eine unbarmherzige Hitze am Tag gefolgt von rapiden Temperaturverlusten bei Nacht. Dieses Bild fällt unter den Begriff der Trocken- oder Hitzewüsten. Im Gegensatz hierzu stehen die Kälte- oder Eiswüsten, also Landschaften welche über Permafrostböden entstehen. Beide Wüstenformen erwecken einen scheinbar lebensfeindlichen Eindruck und dies nicht zu unrecht. Unter die Bezeichnung „Wüste“ fallen die vegetationsärmsten Gebiete der Erde. Die Obergrenze der Vegetationsdichte liegt in Wüstengebieten bei 5% Bewuchs. Nach dieser Definition gilt rund ein Fünftel der Erdoberfläche als Wüstenlandschaft, was jedoch nicht bedeutet, dass ein Fünftel der Erdoberfläche leblose Einöde ist. Im Lauf der Zeit haben sich Pflanzen und Tiere an diese Extrema angepasst. Die Wüste lebt!

2. Nähere Beschreibung

Sandwüste in Australien
Sandwüste in Australien

2.1 Wüstenbildung

Der Wüstenbildung liegen klimatische und geografische Umweltbedingungen zugrunde, welche die biologische Produktivität des entsprechenden Gebietes begrenzen. Die einflussreichsten Faktoren sind hierbei der Mangel an Bodenbildung, Lebewesen und Wasser. Hierbei zählt der Wassermangel als entscheidender Faktor, von welchem alle anderen Mangelerscheinungen direkt und indirekt abhängig sind. Von Wassermangel ist die Rede, wenn Wasser in nicht ausreichender Menge oder nur in für Lebewesen nicht nutzbaren Formen wie beispielsweise Eis vorliegt.
Einen weiteren Beitrag zur Wüstenbildung leistet die hohe Strahlungsintensität der Sonne, welche die Wasserverdunstung weiter antreibt, ebenso wie die trockenen Wüstenwinde, welche Sand- und Staub verteilen.
Auch der Mensch hat einen entscheidenden Einfluss auf das Entstehen von Wüsten. Überweidung, also zu viel Viehbestand pro Fläche ist hierbei ein Grund. Die Vegetationsdichte geht immer weiter zurück und der Boden wird durch die Tiere aufgelockert. Trotz der großen Regenerationsfähigkeit von Pflanzen ist es ihnen oft nicht möglich, die abgeweideten Gebiete schnell genug wieder neu zu besiedeln. Es folgt eine teils temporäre, teils dauerhafte Wüstenbildung. Ebenso durch Übernutzung, also unangepasste ackerbauliche Nutzung, trägt zur Ausbreitung der Wüste bei. Falsche Bewässerungstechniken, Pflügen und ähnliches sind Ursachen für Bodenveränderungen. Durch Düngen wird das Bodenleben außerdem weiter beeinträchtigt. Das Resultat sind dauerhaft bestehende Wüstengegenden.
Zuletzt gilt es die Entwaldung in Trockengebieten zu nennen, welche als Hauptgrund für die durch Menschen verursachte Wüstenbildung gilt. Das hierbei verfolgte Ziel ist die Gewinnung von Ackerland sowie die Deckung des Brenn- und Bauholzbedarfes. Die Baumkronen und das Wurzelwerk, welche beide die Bodenbeschaffenheit positiv beeinflusst haben, fallen weg. So vertrocknet der Boden zunehmen, eine Regeneration ist auf natürlichem Wege nicht gegeben.

2.2 Wüstenklima

Das Wüstenklima fällt im Ariditätsindex unter den Begriff arid, das heißt, die jährliche Verdunstung liegt weit über dem jährlichen Niederschlag, welcher zusätzlich in äußerst unregelmäßigen Abständen erfolgt. Solche ariden Zonen sind in ihrem Erscheinungsbild oft durch Salzböden, periodische fließende Wasserläufe und abflusslose Salzseen geformt.

Außerdem führt die geringe Vegetation ausschlaggebend zur Prägung des Meso- und des Mikroklimas, in Wüsten bei.
Unter Mesoklima versteht man die Zusammenfassung verschiedener Einzelklima die eine Ausdehnung von maximal hundert Kilometern besitzen. Es beschreibt also das Lokalklima eines Ökosystems. Das Mikroklima bezeichnet einen sehr kleinen Bereich, beispielsweise eine Felswand, welche aufgrund ihrer Beschaffenheit, der Bodennähe und dem Einfluss des Windes ein eigenes Klima ausbildet. So können auf engem Raum große Klimagegensätze auftreten. Kleinste Änderungen führen hierbei zu starken Klimaveränderungen, welche sich rückwirkend auf das Mesoklima auswirken.
Die fehlende oder geringe Vegetation in Wüsten für dazu, dass die relative Luftfeuchte starken, täglichen Schwankungen unterliegt. Dies kommt daher, dass die Pflanzen ab einer gewissen Sonnenintensität ihre Spaltöffnungen geschlossen halten, um sich vor dem Austrocknen zu schützen. Nachts nimmt die Pflanze Feuchtigkeit auf, jedoch findet gleichzeitig keine Verdunstung durch die Sonne statt, demnach steigt die Luftfeuchtigkeit trotzdem weiter an. So ist die Luftfeuchtigkeit nachts enorm hoch und sinkt bis zum Mittag immer weiter, um im Anschluss, über Nacht wieder stark anzusteigen. Das durch diese Schwankungen veränderte Mikroklima führt zu Änderungen des Mesoklimas. Daraus resultieren die besonders ausgeprägten, wüstentypischen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht.

2.3 Wüstentypen und Lage

Die Wüsten dieser Welt lassen sich in vier Typen unterteilen. Hierbei spielen die Lage und die Entstehungsart sowie das allgemeine Wüstenklima eine große Rolle.

2.3.1 Subtropische Wüsten

Diese Wüsten, welche um den Äquator liegen, sind meist durch das globale Klima, die tropische Hadley-Zirkulation entstanden. Also die über dem Äquator aufsteigenden, erwärmten Luftmassen, welche feuchte Luft mit sich ziehen, wodurch sich Wolkentürme bilden. Während des Absinkens und Abkühlens gibt die Luft die Feuchtigkeit wieder ab. Die sinkenden, nun trockenen Luftmassen erwärmen sich, wodurch niedriger gelegene Wolken aufgelöst werden. Daraus resultiert eine hohe Trockenheit an der Erdoberfläche, welche zur Wüstenbildung führt.
Des Weiteren gibt es in solchen Wüsten keine kalte Winterzeit, jedoch stark schwankende Niederschläge, welche die Wüstengebiete als Winterregenzeit- oder Sommerregenzeitwüsten charakterisieren.
Eine Kategorisierung der Wüsten kann ebenfalls durch den Untergrund getätigt werden. Man unterscheidet zwischen Stein-, Kies- und Sandwüsten.
Da große Teile der Tropenwüsten sehr stark arid sind, gibt es nur wenige Pflanzenarten, wie Gänsefuß-, Jochblatt- und Kohlgewächse, welche in jenen Wüsten einen dauerhaften Standort sehen. Nach Regenfällen gibt es an abflusslosen Stellen oft Ansammlungen von kurzlebigen Pflanzen. Die am häufigsten vorkommenden, wirbellosen Tiere sind Dunkelkäfer, Ameisen, Heuschrecken und Skorpione. Bei Wirbeltieren ist ein starkes Reptilienvorkommen zu verzeichnen, so beispielsweise Warane, Eidechsen, Geckos und Schlangen, jedoch gibt es auch Säugetiere, vor allem Nager, während Vögel die Gebiete lediglich als Rastmöglichkeiten nutzen.
Ein Beispiel einer subtropischen Wüste ist die Sahara, entlang der afrikanischen Atlantikküste bis hin zur Küste des Roten Meeres.

2.3.2 Küstenwüsten

Die Niederschlagsarmut in diesen tropisch-subtropischen Wüstengebieten, an der Westseite von Kontinenten, entsteht durch kalte Meeresströmungen. In Kombination mit den landestypischen Westwinden dafür sorgen, dass Wolken über diesen Gebieten aufgelöst werden. Aufgrund der hohen relativen Luftfeuchte erfolgt bei nächtlicher Abkühlung eine starke Nebelbildung.
Dieser Nebel ermöglicht auf einer Höhe von 200 bis 900 Metern über NN das Wachsen von Kakteen, Flechten und Sauerklee-Arten. Des Weiteren leben dort verschiedene Leguan-Gattungen und Kleinsäuger wie Kammratten, welche unterirdisch leben.
Die an der Küste Südwestafrikas liegende Wüste Namib ist ein Beispiel dieses Wüstentyps.

2.3.3 Regenschattenwüsten

Diese Wüsten sind anders als die anderen Typen nicht auf verschiedene Breitengrade beschränkt. Sie entstehen wenn eine besondere Anordnung von Gebirgszügen dazu führen, dass Flächen im Kontinentinneren weitgehend niederschlagsfrei bleiben. Im Prinzip schirmen diese Gebirge den Niederschlag ab und somit entstehen weite trockene Gebiete. Zusätzlich kann die geografische Lage die Trockenheit dieser Wüsten verstärken.
Durch aus den Gebirgen kommenden Zuflüssen liegt der Grundwasserspiegel nahe den Gebirgsketten relativ hoch. Deshalb ist hier das Wachsen von Pappeln und Tamarisken möglich. Es gibt Vorkommen von Wildkamelen, das Trampeltier gilt als wichtigstes Nutztier. Weiteres Tiervorkommen gibt es in Form von Echsen wie der Wüstenrenner oder Kleinsäuger wie Pfeifhasen.
Die Takla Makan, welche in Südasien liegt, ist ein Beispiel hierfür.

2.3.4 Kältewüsten

Durch Luftströmungen entstandene Hochdruckgebiete mit geringem Niederschlag, welcher vor allem als Eis fällt, führen selbst in polnähe zur Wüstenbildung. Die meiste Fläche dieser Wüsten ist mit Eis bedeckt, in sehr trockenen Tälern kann es jedoch zur Unterbrechung dieser Eisschicht kommen. Trockene Fallwinde, welche vom Kontinentaleis aus über diese Täler wehen, verhindern das wachsen von hohen Pflanzen.
Am meisten verbreitet sind hier Flechten, Moose und Pilze sowie Algen und Bakterien, welche sowohl offene Bodenflächen als auch Schnee und Eis besiedeln können. Samenpflanzen wie Nelkengewächse sind an Küstenbereichen anzutreffen, bei den Tieren handelt es sich vermehrt um kleine Krebstiere.
Die Antarktis ist ein Beispiel einer Kältewüste.
Aufgrund der Unterschiede zwischen den einzelnen Wüstentypen werden wir im weiteren Verlauf der Hausarbeit jedoch nicht genauer auf die Kältewüste an sich eingehen.

3. Abiotische Faktoren

Unter Abiotischen Faktoren versteht man alle Umweltfaktoren, an welchen kein Lebewesen erkennbar beteiligt ist. Die Gesamtheit aller Abiotischen Faktoren nennt man Biotop. Zu den einflussreichsten Abiotischen Faktoren in Wüsten zählen:

3.1 Wasser

Das Vorhandensein von freiem Wasser ist die Voraussetzung für Leben wie wir es kennen. Deshalb sind weite Wüstenteile, aufgrund akuten Wassermangels, sehr lebensunfreundlich, dennoch gibt es auch, durch Anpassung erfolgte Ausnahmen.
Die bekanntesten Orte von freiem Wasser in Wüsten sind Oasen. Diese entstehen üblicherweise an Quellen oder Wasserstellen und gelten als Vegetationshochburgen der Wüste. Die Oasengröße kann hierbei von nicht mehr als einem, mit Dattelpalmen umgebenen, Teich bis hin zu Großstädten, mit Landwirtschaft und Industrie, reichen.

3.2 Temperatur

Die Tagestemperaturen in Wüsten sind sehr hoch, im Sommer könne sie stellenweise Werte von bis zu 60° Celsius erreichen. Durch fehlenden Niederschlag und Wolken sowie die geografische Lage liegen die täglichen Sonnenstunden in Wüsten außerdem ebenfalls weit über dem Durchschnitt. Man spricht jährlich von circa 11 Sonnenstunden pro Tag, in Deutschland sind es vergleichsweise circa 5, in Italien circa 7 Sonnenstunden. So erwärmen sich Boden, Pflanzen und Gewässer sehr stark. Des Weiteren liegen enorme Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht vor, welche bis zu 30° Celsius betragen können. Auch diese sind mitunter auf die fehlenden Wolken zurückzuführen, welche falls vorhanden Wärme speichern und so zur Temperaturregulation beitragen können. So ergeben sich die wüstentypischen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, welche ebenfalls dazu beitragen, dass die Wüste ein sehr lebensfeindlicher Ort ist.

 

3.3 Bodenbeschaffenheit

Ein Merkmal von Wüstenböden jeglicher Art ist die klimabedingt schwache chemische Verwitterung, worunter man die chemische Veränderung und Zersetzung von Gestein versteht. Daraus resultiert geringe Bodenentwicklung trotz hohem mineralischen Nährstoffgehalts. Aufgrund der geringen Vegetationsdichte sind Humus- und organischer Nährstoffgehalt sehr niedrig. Durch die seltenen Niederschläge und die durch die hohe Verdunstungsrate bedingten aufsteigenden Wasserbewegungen werden Salz, Gips und Kalk nicht ausgewaschen und angelagert. Unter Steinpflastern entwickeln sich häufig tonhaltige Schaumboden-Schichten, also wasserundurchlässige Schichten. Wüstenböden sind zudem schwach alkalisch.
An Gesteinsoberflächen kommt es des Öfteren zur Bildung von Wüstenlack, ein dunkler Überzug aus Eisen- und Manganoxiden. Dieser entsteht bei der Verdunstung von in Stein vorhandenen Verbindungen dieser Metalle, welche mit Ton reagieren. Diese Verbindungen färben, je nach Bestandteilen, den Wüstenboden braun oder schwarz.

 

4. Biotische Faktoren

Unter Biotischen Faktoren versteht man alle Umweltfaktoren, an welchen Lebewesen erkennbar beteiligt sind, sich aus den Wechselwirkungen zwischen einzelnen Arten in einem Ökosystem ergeben. Die Gesamtheit aller Biotischen Faktoren nennt man Biozönose.

4.1 Produzenten

Starke Temperaturschwankungen, Wasserverlust und geringer Niederschlag sind die hauptsächlichen Stressfaktoren bei Wüstenpflanzen. Dementsprechend folgt eine, in vier Arten unterteilbare, Anpassung der Pflanzen.

4.1.1 Ephemere

Ephemere überdauern Dürreperioden in Samen oder Speicherorganen, also beispielsweise Wurzelknollen, im Boden. Ihre Anpassungstaktik ist demnach das Ausweichen. In der Regenzeit fangen diese Pflanzen an zu treiben und bilden weitere Samen aus.
Im Boden können die Pflanzen oft jahrelang verharren, bis eine bestimmte Niederschlagshöhe erreicht ist, da das Samenstadium keine Energie benötigt. Die im Boden liegenden Pflanzenteile sind mit Stoffen umgeben, welche erst vollständig vom Regen weggespült werden müssen. Ist dies erfolgt tritt die Keimung ein.
Die meisten dieser Pflanzen haben kein ausgeprägtes Wurzelsystem, da sie ihre Energie in erster Line zur Fortpflanzung nutzen. Die Samenproduktion solcher Pflanzen ist dementsprechend hoch, dies dient auch dazu, dass nicht alle Samen von Tieren gefressen werden.

4.1.2 Poikilohydre

Poikilohydre werden als wechselfeucht bezeichnet, sie können nahezu vollständig austrocknen. Diesen Zustand bezeichnet man als Anabiose, das Reduzieren der Lebensprozesse auf ein Minimum. Wachstum und Photosynthese sind an die niederschlagsreicheren Zeiten gebunden, dementsprechend niedrig ist die Fortpflanzungsrate dieser Pflanzen.

4.1.3 Xerophyten

Xerophyten stellen ihr Wachstum über die Dürrezeit ein, gehen jedoch nicht Vollständig in einen Ruhezustand über, das heißt andere Lebensprozesse finden weiter statt. Mithilfe von Schuppenhaaren ist es diesen Pflanzen möglich Tauwasser aufzunehmen.

4.1.4 Sukkulenten

Sukkulenten verfügen über Möglichkeiten der Wasserspeicherung, beispielsweise in Stämmen oder Blättern, sowie über wassersparende Mechanismen, welche der Pflanze auch während Trockenperioden normal ablaufende Lebensprozesse ermöglichen. Die Aufnahme des Niederschlags erfolgt über ein großes, flaches Wurzelsystem.

4.2 Konsumenten

4.2.1 Wüstentiere

Wüstentiere müssen sowohl Wasserverlust, durch Verdunstung und Abgabe von Urin und Kot, als auch Überhitzung, da Enzyme nur bei Temperaturen zwischen 30 und 40° Celsius optimal arbeiten, entgegenwirken. Des Weiteren haben Nahrungsmangel und wenige Versteckmöglichkeiten eine große Auswirkung auf die Tiere. Ähnlich wie bei Pflanzen weisen auch Tiere einen differenzierten Umgang mit dieser Problematik auf. Man unterteilt sie nach der Art der Wasseraufnahme in vier Gruppen:
So gibt es Tiere die täglich Wasser zu sich nehmen müssen und dementsprechend in Oasen leben oder täglich zu Wasserstellen wandern. Zu diesen Tieren gehören beispielsweise Flughühner.
Durch die Möglichkeit Wasser in Erythrozyten zu speichern können Tiere wie Kamele längere Zeit ohne neue Wasseraufnahme überleben. Des Weiteren variiert ihre Körpertemperatur um bis zu 6° Celsius wodurch erst beim Erreichen einer Körpertemperatur von circa 42° Celsius die Transpirationskühlung von Nöten ist. Durch hoch konzentrierten Urin wird ebenfalls Wasserverlust eingedämmt.
Als Trinkersatz können Tiere ebenfalls wasserspeichernde Pflanzen zu sich nehmen. Raubtieren dient oft die tierische Nahrung als Trinkersatz. Zusätzlich schützt das Aufsuchen von unterirdischen Bauen vor Überhitzung.
Zur letzten Gruppe gehören all jene Tiere, welche chemisch gebundenes Wasser der Nahrung umwandeln können. Bei diesen Tieren handelt es sich häufig um kleine Säugetiere, zum Beispiel die Kängururatte.
Auch besitzen viele Lebewesen ein dickes Außenskelett, welches den Austritt von Wasser verhindert. Einige Tiere haben lange Beine, um dem heißen Boden zu umgehen.

4.2.2 Menschen in der Wüste

Menschen sind im Gegensatz zu Wüstenpflanzen und Tieren physiologisch nicht an das Leben in der Wüste angepasst. Die Menschen, welche sich dennoch in Wüsten angesiedelt haben, haben sowohl ihre Lebensform als auch Kultur und Leben angepasst. Oft Bilden sich Siedlungen an Wüstenrändern oder Oasen. Karawanen, welche durch die Wüste ziehen und nach Weideplätzen suchen sind mittlerweile relativ selten. Als Schutz vor der starken Sonneneinstrahlung dient Kleidung. Menschen verlieren in Wüsten täglich bis zu 15 Liter Wasser alleinig durch Schwitzen, diesen Verlust müssen sie durch Trinken ausgleichen.

4.3 Destruenten

Unabhängig von Klima und Temperatur gibt es in Wüsten eine enorme Bakterienvielfalt. Entscheidend für deren Wachstum ist der pH-Wert des Bodens. So bieten trockene Wüstenböden Bakterien optimale Lebensbedingungen.

5. Nahrungsketten und Beziehungen

Eine Nahrungskette stellt die Verbindung mehrerer Organismen dar, wobei die einen Organismen die Nahrungsgrundlage der anderen bilden. Man spricht auch von trophischen Beziehungen (griechisch: trophein „sich ernähren“). Diese Nahrungsketten bestehen allgemein aus drei Bestandteilen: Destruenten, Produzenten und Konsumenten. Das Ende einer solchen Kette wird als Spitzenprädator, also die Spitze der Nahrungspyramide bezeichnet.
Ein Beispiel für eine Nahrungskette der Wüste wäre, dass Pflanzen und Gräser von Huftieren und diese wiederrum von Raubtieren gefressen werden.

5.1 Nahrungsnetze

Die meisten realen Ökosysteme sind jedoch wesentlich komplexer, als dies in Nahrungsketten darstellbar ist, daher benutzt man für die bessere Verdeutlichung der Bezüge Nahrungsnetze. Die Darstellung ist wesentlich detailreicher, jedoch auch verworrener, da sich ein Räuber von mehreren Beutearten ernähren und wiederrum selbst zur Beute anderer Räuber werden kann.

Das Nahrungsnetz ist in verschiedene Ernährungsebenen zu unterteilen, das Nahrungsangebot bestimmt die Position, die ein Tier im Nahrungsnetz einnimmt. Die physikalische Umwelt wird beträchtlich von der Vegetation beeinflusst. Eine Regenperiode zum Beispiel kann zu einem Produktionsschub bei Pflanzen führen, wodurch eine Kettenreaktion auslöst wird. Dieser Produktionsschub führt zu einer schnellen Populationszunahme bei pflanzenfressenden Tieren. Dies wiederum führt zum Wachstum der fleischfressenden Tierpopulation.


Beispiel eines Nahrungsnetzes:



5.2 Räuber-Beute Beziehungen

Sie sind ein Teilaspekt der Nahrungsketten bzw. der Nahrungsnetze.
Die Räuber-Beutepopulation in der Wüste schwankt periodisch. Zudem kommt die Volterra-Regel zum Tragen. Die Schwankung der Anzahl der Wüstentiere einer Art ist von der vorhandenen Pflanzenmenge und demnach von den Regenfällen abhängig. Nimmt die Anzahl der Pflanzenfresser zu, steigt auch die Anzahl der Fleischfresser.
Bei der Entwicklung gibt es verschiedene Anpassungen bei Wüstentieren. Säugetiere sind eher selten in der Wüste zu finden, aber der neutrale pH-Wert der Wüstenböden bietet zahlreichen Bakterien ideale Lebensbedingungen. Ebenfalls sind viele Reptilien in der Wüste zu finden.
Anpassungen an die Wüste sind zum Beispiel die Farbe und die Oberfläche der Lebewesen. Sie sind meist sandfarben und hell, wodurch die Sonnenstrahlen stark reflektiert werden. Zudem dienen die Farben als Tarnung. Zur Abgabe möglichst großer Wärmemengen besitzen Wüstentiere ein günstiges Körperoberflächen-Volumen-Verhältnis und zeigen physiologische Anpassungen zur Wassereinsparung. Lange Beine dienen oft für die schnelle Flucht vor Feinden. Andere Lebewesen besitzen Drüsen mit giftigem Sekret, um Feinde in die Flucht zu schlagen.


5.2.1 Volterra-Regel

1. Die Individuenzahlen von Beute und Räuber schwanken periodisch. Dabei folgen die Maxima für die Rüber phasenverzögert denen für die Beute.
2. Langfristig bleiben die Mittelwerte beider Populationen trotz der Schwankungen konstant.
3. Nach einer gleichstarken Reduzierung von Räubern und Beute nimmt die Beutepopulation schneller zu als die des Räubers.

6. Gefährdung

Faktoren wie Klimawandel, steigender Wasserverbrauch und Versalzung führen weltweit zur Zerstörung von Wüsten.
Die Vielzahl von angepassten Lebewesen in Wüsten leiden stark unter dem weiter zurückgehenden Niederschlagsraten. Der Grundwasserspiegel sinkt und zudem werden Grundwasservorkommen immer mehr zur Bewässerung von Feldern in Wüstenrandzonen benutzt.
Der Klimawandel wirkt in Wüsten verstärkt die globale Erwärmung liegt bis zu 1,5° Celsius über den Durchschnittswerten. Durch die Erwärmung verringern sich zudem Wasservorkommen außerhalb von Wüsten, welche beispielsweise Wüstenflüsse speisten.
Ebenfalls Übernutzung und Überweidung stellen eine große Gefahr dar. Es folgen starke Boden- und Flussversalzungen.
Eine weitere Rolle spielt die Wilderei, welche die Nahrungsketten stört. Viele Wüstenlebewesen sind mittlerweile vorm Aussterben bedroht.
Die Wüste an sich breitet sich durch viele dieser Gefährdungen weiter aus, jedoch werden viele der charakteristischen Lebensvorgänge gestört.

7. Fazit

Trotz der zunächst lebensfeindlichen Bedingungen, welche in Wüsten vorherrschen, ist durch Einnischung und Anpassung an die Extrembedingungen ein faszinierendes, auf seine Art besonderes und artenvielfältiges Ökosystem entstanden. Bei der Wüste handelt es sich um ein aufeinander abgestimmtes System, was weitaus mehr ist als nur Sand und Hitze.
Anders als man vermuten könnte sind Wüsten trotz allem ein empfindliches Ökosystem, welches es zu schützen gilt.

 

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