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Name: Dennis Scholz, 2014

 

1.Definitionen der verschiedenen Theorien:

1) Ethologie:

Die „Ethologie“ oder auch „vergleichende Verhaltensforschung“ ist die Gegenströmung zum, in US-Amerika gegründeten, Behaviorismus, die zur Zeit des ersten Weltkrieg gegründet wurde. Zentraler Aspekt dieser Forschung ist das spontane Auftreten von angeborenem Verhalten aufgrund innerer zentraler Ursachen (Triebe).Aufgrund der unterstellten Vererbbarkeit dieser Verhaltensweisen, wurde das Verhalten verwandter Arten miteinander verglichen. Durch die Erforschung des Verhaltens von Enten und Gänsen, schlossen sowohl Oskar Heinroth als auch sein späterer Schüler Konrad Lorenz darauf, dass Instinktbewegungen im Erbgut verankert sind und durch Schlüsselreize ausgelöst werden können, solange eine innere aktionsspezifische Energie vorhanden ist. Die Zweckmäßigkeit dieses Ineinandergreifens von äußerem Auslöser, Handlungsbereitschaft und spezifischer Verhaltensweise habe sich im Prozess der Evolution entwickelt und diene letztlich der Arterhaltung.

Das klassische Beispiel hierfür ist die „Eirollbewegung“ der Graugans: Wenn ein Ei (der Schlüsselreiz) außerhalb des Nestes gerät, reckt die Gans ihren Schnabel über das Ei hinweg und rollt das Ei mit Hilfe ihres Schnabels zurück ins Nest. Diese Bewegung läuft immer auf die gleiche Weise ab und wird selbst dann zu Ende geführt, wenn das Ei während des Vorgangs von einem Versuchsleiter entfernt wird. Diese starre, angeborene Form des Verhaltens gilt als eine arteigene Triebhandlung im Sinne von Oskar Heinroth und wurde von Konrad Lorenz als Erbkoordination bezeichnet.

Kennzeichnend für die ethologische Instinktforschung ist zum einen die Betonung der Freilandforschung, also das Beobachten des Verhaltens unter natürlichen Umweltbedingungen, zum anderen sogenannte Ethogramme: Das sind exakte Beschreibungen aller bei einer Tierart beobachtbaren Verhaltensweisen. Anhand dieser Ethogramme können Verhaltensprotokolle erstellt werden, in denen die Häufigkeit der Verhaltensweisen und ihre zeitliche Abfolge aufgelistet werden (z. B.: Nahrungsaufnahme, Schlafen, „Sich-putzen“, schnelles Weglaufen, Eintragen von Jungtieren zum Nest). Hierdurch wird es möglich, sowohl die Häufigkeit als auch das Aufeinanderfolgen von Verhaltensweisen qualitativ und quantitativ zu beschreiben.

2) Behaviorismus:

Der Behaviorismus ist ein wissenschaftstheoretisches Konzept, mit dem versucht wurde das Verhalten von Menschen und Tieren zu untersuchen und zu erklären. Dabei gab es verschiedene „Entwicklungsstadien“:

Der „klassische Behaviorismus“ (1913~1930) war der Vorläufer des Behaviorismus und beschäftigte sich mit der relativ unbekannten „objektiven Psychologie“, welche sich in der deutschen Forschung auf diesem Gebiet nicht durchsetzen konnte. Die Forschungen Iwan Pawlows waren, genauso wie die von John B. Watson (der erstmals den Begriff Behaviorismus verwendete), die Grundlage für die behavioristische Forschung. Durch das Experimentieren mit Reflexen hat Pawlow bereits versucht eine Erklärung für den Aufbau verschiedener Komplexer Verhaltensmuster zu geben, woran Watson anknüpfte und eine Theorie erstellte, dass Verhalten, aber auch jegliche Verhaltensstörung umweltbedingt sei (hierzu hat er den Begriff Umwelt sehr weit gedehnt).

Eine Weiterentwicklung des „klassischen Behaviorismus“ war der „Neobehaviorismus“(1930~1950). Die Weiterentwicklung war nötig, da sich die Erklärungen des Verhaltens als zu einfach erwiesen. Gestützt auf Watsons Forschung entwickelte Clark L. Hull ein Konzept verfeinerter „Reiz-Reaktions-Ketten“ die durch Klassische Konditionierung entstehen (dieses Konzept wir auch als „systemische Verhaltenstheorie“ bezeichnet). Dieses Konzept bezog sich auch auf nicht beobachtbare Konstrukte.

Der „Neobehaviorismus“ wiederum wurde vom „radikalen Behaviorismus“ abgelöst. Ein Hauptvertreter dieser Form des Behaviorismus war Burrhus Frederic Skinner, der unter anderem für die Skinner-Box bekannt ist. Skinner erweiterte die Hullschen Ergebnisse (Wirkung von Verstärkung), um die Vielfalt des Verhaltens erklären zu können. Durch die Entwicklung des „operanten Verhaltens“, mit dem ein Individuum versucht seine Umwelt zu beeinflussen und zu verändern, versuchte er zu erläutern, dass Verhalten spontan emittiert und durch seine Konsequenzen geformt wird. Dabei war jedoch die Unterscheidung zwischen „angeborenem“ und „erworbenem“ Verhalten von untergeordneter Bedeutung. Aus diesen Ergebnissen versuchte Skinner mittels des Verhaltens auf die Gedanken und Gefühle (von Behavioristen auch als „verdecktes Verhalten“ bezeichnet) eines Individuums zu schließen.

Seine wichtigste Neuerung war die Skinner-Box, mit der er Häufigkeit und Zeitpunkte der Reaktionen und Häufigkeit und Zeitpunkte der Verstärkungen erfassen konnte.Das Ziel der von Skinner begründeten Experimentellen Verhaltensanalyse besteht genau darin, solche elementaren, aber auch die komplexeren Verhaltensgesetze zu finden und sie zur Vorhersage und Modifikation des Verhaltens einzusetzen.

3) Kognitivismus:

Im Mittelpunkt des Kognitivismus stehen die individuelle Informationsverarbeitung sowie die dazugehörigen Denk- und Verarbeitungsprozesse der Lernenden.Die Kognitivisten sind der Ansicht, dass die Prozesse beim Lernen zwischen den zuvor formulierten Reiz-Reaktions-Schemata (Behaviorismus/Klassische Ethologie) liegen. Mit diesen „Erkenntnissen“ versuchen die Kognitivisten die Prozesse beim Verarbeiten von Informationen (wie z.B. Lernen, Planen, Einsicht, Auffassung und Entscheidungen) zu erklären.

Im kognitivistischen Konzept, wird das Modell des Behaviorismus (das menschliche Wesen sei ausschließlich von Umweltreizen abhängig) verworfen. Deshalb sei Verhalten und Erleben keine Folge von Umweltreizen, sondern: Der Mensch nimmt verschiedene Geschehnisse in der Umwelt auf und bearbeitet diese dann gedanklich mittels komplexer Vorgänge. Daraus resultiert für die Kognitivisten, dass bei Lernprozessen mehr als nur die Bildung von Reiz-Reaktions-Verknüpfungen stattfindet. Auch die Ethologie wird abgelehnt. Deren Konzept (der klassischen Konditionierung) wird von den Kognitivisten, ähnlich wie das der Behavioristen, als aktiver Vorgang angeshen, bei dem ein Lebewesen lernt zwei Ereignisse in Verbindung zu setzen. Somit ist auch die Prägung keine automatische Verknüpfung von Reizen.

 

4) Soziobiologie: 

Die Soziobiologie, als Teil der Verhaltensbiologie, beschäftigt sich mit den biologischen Grundlagen des Sozialverhaltens aller Lebewesen.Sie vereinigt sowohl Ansätze aus Ethologie und Psychologie, als auch die Resultate aus anderen Fachbereichen der Biologie, wie z.B. der Genetik, der Ökologie und der Populationsbiologie.

Als besonders wichtig ist die Ethologie (speziell die Verhaltensmuster und Anpassung der Tiere an die Umwelt als eine ihrer zentralen Studiengebiete) zu betrachten, da sie den Soziobiologen grundlegend als Vorlage für ihre Theorien bzw. ihre Forschungen dient.Dabei ergänzt die Ethologie die Soziobiologie, bleibt aber als eigene „Strömung“ bestehen.

Die Soziobiologie verfolgt die zentrale These, dass die Gene eine unbegrenzte „Vermehrungstendenz“ haben. Gene, bestehend aus DNA-Molekülketten, sind befähigt, Kopien von sich selbst zu erstellen und sind deshalb so hervorstechend, da sie in der Lage sind, im Gegensatz zum sterblichen Körper, mehrere Generationen zu überdauern. Speziell durch die sexuelle Fortpflanzung entsteht dadurch die Möglichkeit unendlich vieler Neukombinationen. Diese unendliche Anzahl der Neukombinationen spiegelt sich auch im Phänotyp (Ausdrucksform des Genotyps) wieder, der eine einmalige Genverbindung/einmaliger Genausdruck mit den enthaltenen Informationen über Körper – und Verhaltensmerkmale ist.

Das Verhalten, als immens wichtiger Teil des Phänotyps, ist zentraler Gesichtspunkt der Selektion. Besser angepasste Lebewesen sind eher in der Lage ihre Gene an die Folgegeneration weiterzugeben, da sie aufgrund entwickelter (effektiverer) Verhaltensweisen (wie z.B erfolgreicherer Einsatz von Energie und Zeit im Kampf um knappe Ressourcen) in der Lage sind, durch eine erhöhte Fortpflanzungsrate ihre Gene länger/weiter zu verbreiten.

Daraus folgt also, dass sich durch das Verhalten Ausbreitungs – und Überlebensvorteile ergeben können. Über die Häufigkeit eines Gens in der nächsten Generation können Aussagen darüber getroffen werden, wie gut sich dieses Gen (in Bezug auf Ausbreitung und Überleben) eignet.

 

"Verlauf" der Konzepte:

Somit kann man sagen, dass Kognitivismus und Soziobiologie Konzepte sind, die, auf der Grundlage von Behaviorismus und Ethologie, neue Schwerpunkte setzen, inhaltlich einen größeren Bereich „abdecken“ und Forschungsergebnisse aus anderen Teilen der Biologie mit einbeziehen.

Vergleich: Ethologie vs. Behaviorismus:

  Ethologie: Behaviorismus:
"Verbreitungsgebiet": Wurzel in Europa Wurzel in US-Amerika
wichtige Vertreter: Oskar Heinroth, Erich von Holst, Konrad Lorenz, Günter Thembrock, Nikolaas Tinbergen, Irenäus Eibl-Eibesfeldt Edward T. Thorndike, John B. Watson, Clark L. Hull, Frederik Burrhus Skinner
Grundkonzpte: Schlüsselreiz, angeborene Auslösemechanismen, angeborenen Kontrollmechanismen, Prägung Klassische Konditionierung, "Reflexkettentheorie", operante Konditionierung
Forschungsmethoden: Beobachtungen in natürlicher Umgebung (Freilandforschung), Ethogramme Laborstudien, "Skinner-Box"
Grenzen: angeborene Neigung der Organismen für ihre Spezies überlebenswichtige Verhaltensweisen zu erlernen ->trotzdem gewisses Maß an Flexibilität vorhanden Lernen geschieht nicht speziesabhängig -> jeder Organismus hat angeborene "Komponenten"

 

Fazit:

Sowohl der Behaviorismus, als auch die Ethologie können mit ihren Konzepten das Verhalten von Organismen nicht vollständig erfassen oder erklären.Die vollzogenen Studien der ethologen waren zwar ,aufgrund der Durchführung in der natürlichen Umgebung der beobachteten Individuen, repräsentativer, allerdings konnten sie nicht mit gleichbleibenden Bedingungen, so wie die Laborversuche der Behavioristen, durchgeführt/wiederholt werden.

Die beiden Strömungen haben sich gegenseitig strikt abgelehnt und haben so unter Umständen verpasst durch Zusammenarbeit schneller in der Forschung voran zu kommen.

In den neu entstandenen Konzepten (Kognitivismus und Soziobiologie), die auch als "Folgekonzepte" angesehen werden können, sind sowohl Mischungen von behavioristischer und ethologischer Lehre, als auch andere Teildisziplinen der Biologie (mit deren Forschungsergebnissen) enthalten.

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