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Neurophysiologie: Multiple Sklerose - Eine gefährliche Nervenkrankheit

Name: Merle Halling, 2023-01

 

Multiple Sklerose (MS)

Die weit verbreiteten Vorurteile, Multiple Sklerose sei ansteckend, zwingend tödlich, eine psychische Erkrankung und nur mit Muskelschwund verknüpft sind so nicht richtig.

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung. Davon betroffen ist das Zentrale Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark. Die Isolierschicht (Myelinscheiden), welche die Nerven umgibt, wird bei MS geschädigt. Es passiert also eine Demyelinisierung und zusätzlich ein Abbau von Nervenfasern und Nervenzellen.

Der Verlauf, die Symptome und die Therapieerfolge sind sehr variabel und individuell, weshalb die Krankheit auch umgangssprachlich die „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ genannt wird.


Ursachen

An den Ursachen für Multiple Sklerose wird noch geforscht, aber eine multifaktorelle Entstehung ist wahrscheinlich. Eine Annahme ist, dass MS eine Autoimmunkrankheit sei, bei welcher durch den Angriff eigener Immunzellen auf die Myelinscheiden Entmarkungsherde in der weißen Substanz von Gehirn und Rückenmark entstehen. Zusätzliche können Viren und die Umwelt verantwortlich sein. Ein weiterer Anhaltspunkt sei eine vererbte Präposition („Neigung zur Krankheit“).

Symptome und Beschwerden

Die Symptome sind sehr individuell, aber immer abhängig von den betroffenen Nervenfasern. Bei beschädigten Sinnesnerven folgen Empfindungsstörungen, also sensorische Symptome. Wenn Muskelnerven betroffen sind, kann es zu Bewegungsstörungen, also motorischen Symptomen kommen.
Die häufigsten Beschwerden sind:

  • Taubheit, Kribbeln in Gliedern
  • starke Müdigkeit & schnelle Erschöpfung 
  • problematisches Koten und Urinieren
  • Beeinträchtigungen bei Gang und Gleichgewicht
  • Probleme beim Sehen (auf einem Auge) 
  • nur selten (!): Lähmung

Häufigkeit


Von 2,8 Millionen Erkrankten weltweit sind Frauen doppelt so oft Betroffen wie Männer, weshalb ein hormoneller Einfluss nicht ausgeschlossen ist. Zudem ist auffällig, dass Menschen desto weiter diese vom Äquator entfernt leben, umso häufiger erkranken. 
Betroffene sind oft junge Erwachsene von 20-40 Jahren, selten erkranken Kinder oder ältere Personen.

 

Verlauf 


Auch der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Und um das Vorurteil der letalen Krankheit zu entkräften, kann man sagen, dass nur 5% zu schwerer Behinderung führen und sehr selten MS direkt zum Tod führt. Häufiger tödlich sind die indirekteren Folgen, die z.B. zu Nieren- oder Lungenentzündungen führen können. 
Neben dem schubförmiger Verlauf, gibt es auch den chronisch progrendienten Verlauf, welcher eine dauerhafte Verschlechterung ohne Schübe bedeutet.
10% haben von Beginn an einen primär chronisch progrendienten Verlauf.
Der schubförmiger Verlaufstyp ist mit 90% am häufigsten, wobei sich dieser nach ca. 10-15 Jahren bei 40% der Erkrankten zum sekundär progrendienten Verlauf entwickelt.

Diagnose

  • neurologische, körperliche Untersuchung
  • Lumbalpunktion (Nervenwassergewinnung)
  • evorzierte Potentiale (Nervenleitfähigkeit und Geschwindigkeit)
  • Magnettresonanztomographie (MRT)

Behandlung

Die Krankheit ist zwar unheilbar aber Medikation kann den Verlauf verlangsamen und abschwächen. Bei der Schubtherapie kann bei einem akuten Schub eine Cortisontherapie eingesetzt werden. Die Basistherapie hingegen ist eine langfristige Immuntherapie, welche den Verlauf beeinflusst, indem Immuntherapeutika z.B Modulatorrm oder Suppressiva genutzt werden.
Auch die Symptome wie Erschöpfung und Krämpfe können durch Physiotherapie und Ergotherapie gelindert werden. Zudem kann mit Rehabilitation MS-Kranken die Rückkehr in das Berufs- und Sozialleben erleichtert werden.