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Name: Samira Q., 2018-06

 

Neobiota

Definition: Als Neobiota bezeichnet man allgemeinhin Lebewesen jedweder Art, die sich in einem ihnen eigentlich nicht heimischen Areal ansiedeln und etablieren können. Dies passiert auf „natürlichem“ Weg, aber auch durch anthropogene Einflüsse, das heißt durch den Menschen und seine Handlungen.

Im Englischen werden Neobiota auch oft als Aliens bezeichnet.

Waschbär, invasive Art (Neobiota)
Waschbär, Neobiot

Neobiota müssen, wenn sie sich langfristig in einem Gebiet halten wollen, einige Eigenschaften besitzen, die ihnen die Etablierung ermöglicht. Sie müssen sehr anpassungsfähig sein und eine hohe Fortpflanzungsrate haben. Diese Merkmale findet man oft bei kleineren Lebewesen, die nicht so weit/ hoch entwickelt und oft auch r-Strategen sind, also auf Quantität setzen und schnell viele Nachkommen haben können.

Ein Neobiot bzw. dessen Art gilt als etabliert, wenn sie mindestens 25 Jahre oder 3 Generationen in einem Gebiet beständig auftreten.


Neobiota werden in Neozoen, das sind die "Neutiere" und Neophyten, das sind neu etablierte Pflanzenarten, zu denen der Einfachheit halber auch Mikroorganismen und Pilze gezählt werden, untergliedert. (Neu eingeführte Pilze werden auch als Neomyzeten bezeichnet.) Alle Lebewesen, die vor 1492 eingeführt wurden, bezeichnet man als Archäobiota, die Lebewesen, die seit dem Ende der letzten Eiszeit in einem zu betrachtendem Gebiet wachsen, bezeichnet man als Indigene.

Differenzierung

Die Unterscheidung der Neobiota folgt nach der Wirkung auf die Biozönose. Die nicht invasiven Neobiota haben keinerlei negative bis auch eine positive Auswirkung auf ihr „neues“ Ökosystem. Potenziell invasive Arten/ Neobiota stehen im Verdacht, eine schädliche Wirkung auf das Ökosystem und seine Bewohner zu haben. Als invasive Arten werden solche Neobiota bezeichnet, die unerwünschte, negative Auswirkungen haben und dabei anderen Arten nicht nur schaden, sondern sie auch verdrängen.

Bei Neobiota aller Arten gilt eine 10% - Regel: Von 10.000 eingeschleppten oder eingewanderten Arten kommen 10%, also im Beispiel 1.000 Arten unbeständig vor, also fügen sich vorläufig in das Areal ein. Von den 1.000 Arten etablieren sich wiederum 10% dauerhaft, also nur noch 100 Arten. Invasiv sind von diesen 100 Arten ebenfalls bloß 10%, somit nur noch 10 Arten. Insgesamt kann man also davon ausgehen, dass sich ungefähr 1% insgesamt integriert und 0,1% invasiv ist.

Bärenklau
Bärenklau, invasive Art

 

Gründe für die Etablierung fremder Arten

Durch natürliche und anthropogene Einflüsse werden neue Arten in ihnen fremde Gebiete gebracht. Natürliche Einflüsse sind beispielsweise Tierwanderungen in Folge von starken Klimaveränderungen, neue Landbrücken und Wasserwege, Selbstaussäung der Pflanzen oder auch Verbreitung von Pilzen und Mikroorganismen. Der Mensch nimmt bewusst oder auch unbewusst Einfluss auf die Verbreitung der Lebewesen, heute sehr viel stärker als früher. Durch  den Kontakt der alten und neuen Welt, des wachsenden globalen Handels und viele neue Güterwege können sich anpassungsfähige Arten nicht nur stärker, schneller und häufiger ausbreiten, sie müssen dies auch tun, wollen sie überleben.

Eine wichtige ökologische Zeitmarke wurde mit der Entdeckung Amerikas 1492 gesetzt. Sie steht für die verstärkten Fernhandelsbeziehungen.

Allerdings gibt es Artenwanderungen nicht über Gebietsgrenzen hinweg, sondern auch innerhalb eines Gebietes. Sie werden ausschließlich durch menschliche Einflüsse weitergetragen, da sie sonst durch physische Barrieren, wie zum Beispiel geschlossene Seen nicht wandern könnten. Diese Neobiota werden als „regionale“ Neobiota bezeichnet.

Es etablieren sich jedoch nicht immer alle Arten, der Begriff „boom-and-bust“ beschreibt die anfänglich starke Ausbreitung einer neuen, lebensraumfremden Art, die aber nach einiger Zeit stark zurückgeht.

Waschbär, invasive Art (Neobiota)
Waschbär, invasive Art


Auswirkungen: Probleme und Vorteile der Neobiota

Die Einführung einer neuen Art in ein schon bestehendes Ökosystem muss nicht gleich etwas Schlechtes bedeuten. Die Nahrungsnetze werden neu geknüpft und Räuber-Beute-Beziehungen verändert. Das kann dazu führen, dass mehr Räuber in einer Biozönose sind als vorher und dass der Konkurrenzdruck zunimmt. Neobiota können auch Überträger von Krankheiten sein, die es in dem Ökosystem vorher nicht gab und gegen die die anderen Bewohner des Systems keine ausreichend wirksamen Antikörper besitzen. Oft sind diese Erreger Pathogene, Infektionen, die zum Tod führen. Durch die daraus resultierende unkontrollierte Vermehrung können Plagen entstehen, die sich nicht mehr nur auf ein Ökosystem beschränken. Das kann große Schäden in der Land- und Forstwirtschaft anrichten und den Uferschutz beeinträchtigen und auch zerstören. Das ist aber keinesfalls zwangsläufig so. Oft dienen Neobiota als neue Nahrungsquelle oder füllen einfach eine nicht genutzte, ökologische Nische aus. Damit stabilisieren sie sogar das Ökosystem und haben positive Auswirkungen auf andere Lebewesen. Teilweise vermischen sie sich auch mit indigenen Arten, was zu einer Hybridisierung führt, das heißt meistens allerdings auch, dass die ursprünglichen Arten aussterben.

Ein sehr großes Problem stellen Neobiota für Inseln dar, da diese jahrhundertelang oder auch noch länger eine isolierte Vegetation aufgebaut haben ohne Fluchtmöglichkeiten für durch Neobiota bedrohte Tierarten.

 

Beispiele für Neobiota

Für Neobiota gibt es vor allem in der heutigen Zeit sehr viele Beispiele, in Deutschland haben sich ungefähr 800 Neobiota dauerhaft etabliert, dazu kommen noch ca. 1600 Neophyten und ca. 450 Neozoen, die unbeständig vorkommen. Die Dunkelziffer der nicht bekannten Neobiota dürfte vor allem bei Kleinstlebewesen, wie Insekten und noch kleiner um einiges höher liegen.

Ein Beispiel für eine stark invasive Art ist die chinesische Wollhandkrabbe, die, wie der Name schon zeigt, aus China gekommen ist. Sie reiste als „blinder Passagier“ im Ballastwasser chinesischer Schiffe nach Europa. Sie sind Allesfresser, haben hier aber keine natürlichen Fressfeinde, wodurch sie sich rasant ausbreiten können. Dabei zerstören sie Uferbauten, verstopfen Drainagen und fressen die gefangenen Fische aus den Netzen, wobei sie diese zerstören.

Ebenfalls invasiv ist das drüsige Springkraut, das aus dem Himalaya „eingewandert“ ist und nun die einheimischen Pflanzen an feuchten Standorten verdrängt.

drüsige Springkraut
drüsiges Springkraut


Auch der Karpfen richtet mit seiner invasiven Art vor allem um Australien herum sehr viel Schaden an. Er wurde aus Asien als Nutzfisch nach Europa eingeführt, kam nach Australien und entwischte dort aus Zuchtanlagen. Er macht mittlerweile schon 80-90% der Fischbiomasse aus, ist allerdings ein Überträger von Herpesviren. Die australische Regierung spricht schon von einem „Carpageddon“ und bekämpft den Karpfen und seine Ausbreitung stark.

Doch es gibt auch positive Auswirkungen von Neobiota, wie beispielsweise den Sommerflieder, der eine Gartenpflanze aus China ist. Dieser bietet ein hohes Nahrungsangebot für hauptsächlich Schmetterlinge.

Bärenklau
Bärenklau, invasive Art

 

Der Mensch als Neobiota

Auch der Mensch kann als Neobiot betrachtet werden, da er sich von seiner ursprünglichen Heimat, die in Afrika liegt, entfernt und sich neue Gebiete erschlossen hat.

Er ist zwar ein K-Stratege, was bedeutet, dass sie auf Qualität setzen, also nicht so viele Nachkommen haben, aber eher höher bzw. weiter entwickelt sind. Trotzdem ist es ihm im Laufe der Jahrhunderte gelungen, sich fast über den gesamten Erdball zu verteilen und selbst in für uns gewöhnlicherweise unwirtlichen Gegenden anzusiedeln. Die Anpassungen, die dafür nötig waren, gingen teilweise natürlich vonstatten, Probleme, wie große Kälte oder auch Hitze wurden aber auch vom Menschen direkt „gelöst“, mithilfe von Kleidung und ähnlichem.

In vielen Gebieten, wenn nicht sogar fast allen, sind wir auch invasiv, wir verdrängen also willkürlich andere Arten, nehmen ihnen den Platz weg und bringen sie damit in die Gefahr, auszusterben. Obwohl ein Mensch weniger Nachkommen in seinem Leben zeugen kann als beispielsweise ein Kaninchen, leben diese länger und benötigen mehr Ressourcen, wie Platz und Nahrung. Aufgrund der Tatsache, dass es mittlerweile doch sehr viele Menschen gibt, ist beides schon knapp geworden.

 

 

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