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Name: Lisa Hohmann, 2020-10

 

Was ist das Gedächtnis?

Das Gedächtnis beschreibt die Fähigkeit des Gehirns Informationen zu speichern. Dieser Fähigkeit liegt das zentrale Nervensystem (im Folgenden ZNS) der Lebewesen zugrunde. Durch diese Möglichkeit sind Lebewesen in der Lage, Informationen aufzunehmen, umzuwandeln, zu speichern und im Bedarfsfall wieder abzurufen.

Das Gedächtnis dient als Aufbewahrungsort unserer Erinnerungen. Durch unser Gedächtnis können wir uns erinnern. Denn bei Erinnerungen werden gespeicherte Ereignisse und Erfahrungen erneut aufgerufen und somit präsent. Das gedankliche Erleben vorangegangener Erfahrungen und Erlebnisse wird als Erinnerung bezeichnet.

Anteil des ZNS am Gedächtnis

Im Rückgrat und im Schädel eingeschlossen befindet sich das ZNS. Das ZNS besteht aus Nervensträngen, die für die Verarbeitung von Informationen und die Steuerung der Aktionen verantwortlich sind. Das ZNS ist sehr leistungsfähig, aber auch sehr anfällig. Das ZNS ist in unserem Körper gut geschützt. Während das Gehirn unter dem Schädelknochen liegt, wird das Rückenmark von der Wirbelsäule umrandet. Weitere Schutzmechanismen sind die Hirn- bzw. Rückenmarkhaut sowie die Gehirn- und Rückenmarkflüssigkeit, auch Nervenwasser genannt. Nervenstränge, die verletzt oder durchtrennt sind, wachsen nicht mehr nach. Die Nervenzellen des peripheren Systems (im Folgenden PNS), beinhalten alle Nerven des Körpers, die außerhalb des ZNS liegen. Diese sind weniger kompliziert aufgebaut und können deshalb im Verletzungsfall nachwachsen. 

 

Erinnerung und Erfahrungen

Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens machen, können Bestandteil unseres Gedächtnisses werden. Das Gedächtnis ist die Voraussetzung jeglichen Lernens. Wenn wir durch die unterschiedlichen Gedächtnisleistungen etwas u.a. gelesen, gehört, gesehen oder geschmeckt haben, können wir diese Erfahrung in unserem Gehirn behalten. Wir sind in der Lage, Reize und Erlebnisse zu speichern und sie bei Bedarf wieder in unser Bewusstsein zurückholen. Das Bewusstsein ist der aktive Teil unseres Denkens und Fühlens.

 

Verschiedene Gedächtnisarten

Es gibt verschiedene Gedächtnisarten, die sich in Zeit und Inhalt unterscheiden:


1. Ultrakurzzeitgedächtnis oder sensorisches Gedächtnis

• Informationsspeicherung nur für Sekundenbruchteile und Sekunden
• Reizaufnahme erfolgt hier vor allem durch Hören (auditiv) und Sehen (visuell)

2. Kurzzeitgedächtnis

• Informationsspeicherung für mehrere Sekunden und ggf. Abspeicherung im Langzeitgedächtnis
• Beschränkte Speicherkapazität
• Reizaufnahme erfolgt durch räumlich-visuelle oder auditiv-verbale Informationen
• Informationen der beiden Systeme können miteinander verknüpft und anschließend im Langzeitgedächtnis abgelegt werden

3. Arbeitsgedächtnis

• Umfasst alle Aufgaben des Kurzzeitgedächtnisses
• Organisiert, verarbeitet und analysiert aktuelle und gespeicherte Informationen -> wichtig für die Entscheidungsfindung
• Inhalt des Arbeitsgedächtnisses wird ständig aktualisiert
• Schlüsselsystem für kognitive Leistungen

4. Langzeitgedächtnis

• Erinnerungen aus dem Kurzzeitgedächtnis gelangen durch mehrfache Wiederholungen ins das Langzeitgedächtnis -> erneuter Abruf möglich
• Speicherung dauert Minuten oder auch ein Leben lang (siehe Permanentgedächtnis)
• wird in deklaratives und nicht- deklaratives Gedächtnis unterteilt:

a) Deklarativ:
o Abspeicherung von Faktenwissen
o Wissensgedächtnis
o Unterscheidung zwischen semantischem (Fakten, generelle Aspekte, Weltwissen) und episodischem (persönlich/ Alltagserinnerungen) Gedächtnis

b) Nicht-deklarativ:

o Unterscheidung zwischen prozeduralem (Abspeichern von Verhaltensweisen, motorischen Fertigkeiten und Bewegungsabläufen) und emotionalem (Speicherung von Gefühlsempfindungen sowohl positiv als auch negativ) Gedächtnis 

5. Permanentgedächtnis

• Speicherung von Dingen, die man nie wieder vergisst (z.B. laufen, schwimmen, Fahrrad fahren)
• Fähigkeit des Erinnerungsvermögens

 

Beispiel für Erinnerung: Fußballspiel/ Ballbesitz

 

 

 

 


Noch während der Sportler im Besitz des Balles ist und versucht, die Situation zu meistern, wird vom ihm erwartet, dass er sich erinnert und aus seinem Gedächtnis die ihm möglichen Optionen abruft. Der Sportler wird mit vielen Reizen und Signalen konfrontiert:
• Sehen: Gegenspieler; Mitspieler; Ball
• Hören: vom Ball ausgehendes Geräusch gibt Informationen über Richtung und Geschwindigkeit; Atem der Gegenspieler gibt Informationen, wie weit diese weg sind
• Anweisungen des Trainers
• Spielumfeld/ Wetterbedingungen
• Körperbewusstsein


Alle Informationen werden im Arbeitsgedächtnis aufgenommen, um eine vollständige Analyse der Ist-Situation zu erstellen. Somit ist er in der Lage, sich ein Bild der aktuellen Situation zu verschaffen. Diese eintreffenden Sinneswahrnehmungen kann der Spieler mit früher gemachten Erfahrungen und Kenntnissen vergleichen. Durch die Möglichkeit des Vergleichens, kann der Spieler eine Entscheidung treffen. Somit folgt auf die Informationsverarbeitung und Analyse eine Reaktion.
Im Gehirn des Spielers starten mehrere Prozesse. In seinem Arbeitsgedächtnis sucht er nach früher gemachten Erfahrungen. Dies können u.a. sein:
• Laufvermögen des Mitspielers
• Fähigkeit des Mitspielers, den Ball anzunehmen
• Passspiel (hoch, flach, fest, locker)
• Zeitliche Aspekte

Im Gedächtnis des Sportlers erfolgt eine Mehrfachverarbeitung von Informationen. Der Fußballer muss eine Entscheidung treffen. Das Arbeitsgedächtnis ist die Zentrale, in der alle Informationen zusammenlaufen. Mit unseren Sinnen haben wir Eingaben gefiltert, die nun im Gedächtnis eintreffen. Die in unserem Gedächtnis verankerten Informationen werden mit den neu eintreffenden Informationen in Verbindung gebracht und miteinander verglichen. Wie viele Informationen wir zeitgleich verarbeiten können, hängt von der Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit des Arbeitsgedächtnisses ab.
Der Sportler trifft für den Moment die Entscheidung, die in dieser Situation für ihn am sinnvollsten erscheint. Er nimmt die Ist-Situation und verknüpft diese mit Erfahrungen aus der Vergangenheit. Während er diese eine Entscheidung trifft, muss das Arbeitsgedächtnis weiterhin die Situation beobachten und analysieren, da sich diese ständig verändert. Wenn Schnelligkeit und Kapazität des Arbeitsgedächtnisses nicht ausreichen, kommt es zur Überforderung des Spielers. Er ist dann nicht mehr in der Lage, den Informationsfluss zu bewältigen.

 

Erkrankungen des Gehirns und Störungen der Erinnerung

Erkrankungen oder Störungen der zentralen Steuer- und Kontrollorgane können viele Bereiche und Funktionen des Körpers treffen. Erkrankungen können genetisch bedingt sein oder auch durch Infektionen oder Verletzungen verursacht werden!

Auch bei Lern- und Anpassungsprozessen und im Sport spielt unser Gedächtnis- und Erinnerungsvermögen eine wichtige Rolle. Unser Verhalten beruht auf einem vergleichenden Beurteilen, Einordnen und Neuentwerfen von bestimmten Aktionen. Voraussetzung für einen Bewegungsablauf oder das Ausführen einer sportartspezifischen Technik ist das Wahrnehmen, Analysieren und Reagieren auf eine bestimmte Situation.

 

Veranschaulichung von Gedächtniserkrankungen und Erinnerungsverlusten:

1. Demenz

Zu Beginn der Erkrankung ist nur das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Oft wird dies noch mit allgemeiner Vergesslichkeit gerechtfertigt. Im weiteren Verlauf der Krankheit gehen auch Inhalte aus dem Langzeitgedächtnis verloren. Die Betroffenen leiden u.a. an Symptomen wie Orientierungsstörungen in Raum und Zeit, Gedächtnisverlust, Sinnestäuschungen. Im Endstadium der Krankheit erkennen die Betroffenen nicht mal mehr ihren engen Familienkreis und Reize können nicht mehr richtig verarbeitet werden. Die Erkrankten werden u. U. inkontinent und bettlägerig. Die Gesundheit und Lebenserwartung der Patienten leidet enorm unter der Erkrankung.

Man unterscheidet zwischen der vaskulären und der degenerativen Demenz. Die vaskuläre Demenz (ca. 20%) wird durch Durchblutungsstörungen z.B. aufgrund eines Schlaganfalls ausgelöst. Durch medikamentöse Behandlung kann der Verlauf der Erkrankung verzögert werden.
Ca. 60% der Demenzerkrankungen treten in Form der degenerativen Demenz (Alzheimer) auf.

Bei dieser Form der Demenz kommt es
o Zur Degeneration von Nervenzellen im Gehirn
o Zur Bildung wirrer Verbindungen
o Zu krankhaften Eiweißablagerungen

Letztendlich hat dies zur Folge, dass das Gehirn schrumpft.

In 20% der Fälle kann keine eindeutige Demenzerkrankung erkannt werden, bei den Erkrankungen auch Mischformen auftreten können.

 

2. Unfall

Durch einen Unfall bei welchem Kopfverletzungen aufgetreten sind, kann es zu einer Amnesie kommen. Eine Amnesie bezeichnet den Verlust des Erinnerungs- und Gedächtnisvermögens. Diese Störung kann sowohl zeitliche als auch inhaltliche Erinnerungen betreffen. Hier kann es je nach Schwere des Unfalls und dementsprechender Schädigung des Gehirns zu unterschiedlichen Formen der Amnesie kommen. Die Formen unterscheiden sich je nach Umfang und Zeitraum.
Im Folgenden werden einige Amnesieformen erklärt:

  • Anterograde Amnesie (betrifft den unmittelbaren Zeitpunkt nach dem schädigenden Ereignis; Aufnahme von neuem Wissen ist nicht möglich – es wird sofort wieder vergessen; eingeschränkte Merkfähigkeit; meistens wissen die Betroffenen noch, wer sie sind)

  • Retrograde Amnesie (betrifft den Zeitraum kurz vor dem schädigenden Ereignis; keine Erinnerung an den Zeitpunkt vor dem Ereignis; semantisches und episodisches Langzeitgedächtnis ist betroffen; je nach Schweregrad kann der Gedächtnisverlust Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen und Monate anhalten; Rückbildung ist möglich

  • Globale Amnesie (schwerste Form der Amnesie; Symptome anterograder und retrograder Amnesie)

  • Kongrade Amnesie (Gedächtnisverlust bezieht sich auf konkretes Ereignis; keine Erinnerung an den Auslöser; kein Auftreten einer anterograden oder retrograden Amnesie; Patient kann sich an Vergangenes erinnern und neue Informationen aufnehmen)

 

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